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zurück zur Einleitung über den Jakobsweg

Dieses ist voraussichtlich die vorletzte Etappe und die Anreise wird ganz schön spannend: Die Hinreise nach Condom erfolgt mit zuerst 4 verschiedenen Zügen (jeweiles weniger als 15 Minuten Zeit zum Umsteigen) und dann mit einem Bus, die Rückreise mit einem Fernbus (23 Stunden ohne Umsteigen) und einer anschließenden Bahnfahrt.

Umsteigen
Aufwärmen
Vergessen
Zubereiten
Begleiten
Ausruhen
Treppensteigen
Segnen
Messen
Trödeln
Telefonieren
Schwitzen
Hinaufgehen
Rechnen
Besichtigen
Fotografieren
Schreiben
Biertrinken
Zuschauen
Genießen
Warten
Abkassieren
Wiedersehen
Erfreuen
Weintrinken
Ankommen


Umsteigen

Der Wecker klingelt um 3 Uhr morgens. Ein zärtlicher Kuss und dann müssen wir aufstehen. Die Vorfreude auf den nächsten Teil unserer Pilgerreise macht es uns leicht, zu so früher Stunde das gemütliche Bett zu verlassen. Ganz entspannt genießen wir ein gutes Frühstück. Mit dem ersten Zug, der Konstanz verlässt fahren wir los. Um 8 Uhr sind wir dann schon in Frankreich und steigen in den TGV nach Bordeaux. Richtig schnell sind wir hier nochmals unterwegs, die nächsten Tage werden da zu Fuß doch deutlich beschaulicher sein. In Agen haben wir einen etwas längeren Aufenthalt, den wir nutzen, um einen sehr guten Eisbecher zu schlemmen: Eis aus Feige, Birne und Weinbergpfirsich, dazu etwas Sahne und etwas Erdbeersirup - fertig ist ein leckerer Winzerbecher. Dann geht es zurück zum Busbahnhof, wo uns eine nette Frau hilft, den richtigen Bus zu finden. Um 19:30 Uhr sind wir dann in Condom in unserer Herberge, wo wir nach einem guten Abendessen müde ins Bett fallen.

Freudestrahlend bei Tempo 320 auf der Fahrt zum Anfang unseres diesjährigen Jakobswegs

Ein Eisbecher vekürzt bei 36°C die Wartezeit auf den Bus nach Condom

Unsere erste Herberge dieses Jahr, wo wir bei Fabienne übernachten

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Aufwärmen

Der erste Tag zu Fuß soll eher zum Warmlaufen sein. deshalb werden wir nur die kurze Strecke nach Montréal-du-Gers pilgern. Das Frühstück können wir schon um 6 Uhr bekommen - typisch französisch, aber sehr gut - und um 7 Uhr sind wir dann in der Morgendämmerung auf unserm Camino. Es wird zunehmend wärmer, aber wir kommen gut voran. Schon zur Mittagszeit sind wir am Ziel und genießen erst einmal einen "petit café", den kleinen typischen Kaffee hier in Südfrankreich. Am Nachmittag gehen wir dann zu Anita in die sehr angenehme Herberge, wo wir mit Zitronenlimonade begrüßt werden. Anita stammt aus Baden-Württemberg und hat sich vor vielen Jahren entschlossen, hier in Montréal-du-Gers eine Herberge für die rund 25.000 Pilger, die jedes Jahr durch den Ort kommen, zu betreiben. Schon bald sind wir geduscht und unsere Wäsche tummelt sich zusammen mit den Klamotten anderer Pilger in der Waschmaschine. Zum Abendessen gibt es einen sehr guten Linsensalat (mit Möhren, Zwiebeln und Senf), sowie ein echtes Ratatouille (Tomate, Gurke, Paprika, Knoblauch und etwas Kartoffel).

Condom am frühen Morgen

 

Eine fröhliche Pilgerin

Le Pont del Artigue

Der Innenraum der Kirche de Routgues

Die Herberge Compostela von Anita

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Vergessen

Das Frühstück ist heute Morgen eher "deutsch" mit Müsli, Joghurt, und vielem mehr, so dass wir uns gut gestärkt auf den Weg machen. Um 8 Uhr gehen wir los. Als wir den halben Weg zurückgelegt haben, finden wir eine Möglichkeit einen kleinen Kaffee zu trinken und Elena, die uns diesen serviert, teilt uns mit, dass wir etwas in der Herberge von Anita vergessen hätten und dass ein anderer Pilger uns das nun mitbringt, wir mögen doch bitte auf François warten. Aus der Kaffeepause wir somit eine Servicepause. Weiter geht es anschließend nach Eauze, unserem heutigen Ziel. Auch hier werden wir wieder ganz lieb in der Herberge empfangen und zur Begrüßung gibt es mit Orangenöl parfümiertes Wasser - sehr lecker! Patrice zeigt uns auch das ganze Haus, welches mit viel Liebe renoviert wurde. Nachdem wir uns erfrischt haben, machen wir einen Stadtrundgang und besuchen auch das Museum, in welchem man in einem begehbaren Tresor genau 28.003 römische Münzen, fein säuberlich sortiert, bewundern kann. Für Münzliebhaber bestimmt etwas ganz Tolles, wir bewundern mehr die vielen anderen Objekte aus der alten Zeit. In einem Restaurant im Zentrum gibt es eine feines Abendessen und einen guten Rotwein.

Der Jakobswg ist hier häufig von Brombeerhecken gesäumt

 

Das Kreuz am Wegesrand bei Lamothe

Ein Bild von Jakobus in der Kirche von Eauze

Ursula auf dem Marktplatz von Eauze

Die Herberge Lou Parpalhou von Patrice

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Zubereiten

Nach dem Frühstück gehen wir erst einmal einkaufen, um etwas für unser späteres Vesperbrot zu haben. Dann aber verlassen wir das Städtchen. Der Weg führt einige Kilometer über Asphalt, aber es geht auch durch die Weinberge - eher Weinfelder - und häufig genug im Schatten von Bäumen. Das genießen wir dann, denn es ist sehr heiß, über 30°C und nur wenige kleine Wattewölkchen zieren den wunderbar blauen Himmel. Mit kleinen Pausen pilgern wir nach Nagaro in eine uns empfohlene neue Herberge. In dieser gibt es leider kein Abendessen, aber eine Küche, die wir benutzen dürfen. Hinter der Herberge ist ein Garten und hinter diesem ein großer Einkaufsmarkt, so dass wir uns alle Zutaten für einen leckeren Salat besorgen können. Bei diesem Wetter genau das Richtige. Im Supermarkt treffen wir auch einige andere Pilger, die in der städtischen Herberge übernachten. In unserer Gite sind wir heute nur zu dritt, François übernachtet auch hier und gemeinsam genießen wir Salat, Baguette, Roséwein und Sterne am Himmelszelt.

Pilgern bei wunderbarem Wetter

 

Die Landschaft in Südfrankreich

Eine einfache Kirche

Wir fangen an, das Abendessen zu bereiten

Die Gite de Piedlevé ("zum Füße hochlegen")

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Begleiten

Heute wird es eine etwas längere Etappe werden und so frühstücken wir schon um 6:30 Uhr, um möglichst früh in der kühlen Morgenluft zu wandern. 40 Minuten später sind wir auf dem Pilgerweg, der sehr bequem verläuft. Nur wenig Auf und Ab und viele gut zu gehende Feldwege sind uns gegönnt. Nach wenigen Kilometern kommt aus einem Garten ein lieber kleiner Hund, der uns ein längeres Stück begleitet. Für die Mittagspause bekommen wir ein schattiges Plätzchen, welches ehemalige Pilger gestaltet haben: mit Sitzgelegenheiten, einem Tischchen und auch einem Abfallkorb. Nach kurzer Zeit kommen noch weitere "altbekannte" Pilger dazu, und jeder berichtet so von seinen Erlebnissen der letzten Tage. Hier treffen wir auch Max aus Leipzig, der wie wir in mehreren Jahren den Weg in Etappen gelaufen ist und dieses Jahr die Strecke noch einmal komplett in einem Zug wandert. Die Herberge in Aire-sur-l'Adour ist angenehm und nach dem Duschen schauen wir uns das Städtchen an, wo wir Max wiedersehen und mit ihm ein Bierchen trinken. In der Kathedrale, wo es auch einen Pilgerempfang gibt, zünden wir für Angela eine Kerze an. Das Abendessen bei Christine in der Herberge ist richtig gut.

Unser Begleiter für mehrere Kilometer

 

Mittagspause

Kanal in Aire-sur-l'Adour

Ein kleiner Teil der Fassade der Kathedrale

Die Kerze für Angela

"La maison des pèlerins" wo Christine und ihre Mutter die Pilger willkommen heißen

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Ausruhen

Wir gehen den Tag ganz gemütlich an. Die meisten der anderen Pilger sind schon losgezogen, als wir wir endlich um 8 Uhr den Rucksack schultern Der Weg bis Miramont-Sensacq ist einfach bis langweilig. Aber bei der Kirche oben auf dem Hügel gibt es einen wunderschönen schattigen Rastplatz für unser Mittagessen. Danach ist es nicht mehr weit und kurz nach halb-zwei haben wir Piphane erreicht. Unsere Gastgeberin kommt wenige Minuten später und wir bekommen ein hübsches Zimmer mit Dusche und WC. Den restlichen Nachmittag lassen wir einfach nur noch die Seele baumeln. Das Abendessen ist sehr gut, der Wein ebenfalls. Ein wunderschönes Fleckchen Erde.

An dieser Stelle sei einmal angemerkt, was allen uns bekannten Pilgerführern fehlt: Eine Auflistung der Rastplätze inklusive Ortsangaben und der Anzahl der Sterne: Jede ordentliche Sitzgelegenheit für mehr als 1 Person und weniger als 30m vom Weg entfernt, sowie von diesem aus gut sichtbar, zählt als Rastplatz. Dazu gibt es je ein Stern für Tisch, Abfallkorb, Trinkwasser, Toilette, Schatten und Regenschutz. Ein weiterer Stern gibt es für eine richtige Hütte (also auch Schutz vor heftigem Wind). In Summe wären also 7 Sterne zu vergeben.

Ein einfacher Weg

 

Eine schöne Kirche

Ein nettes Stilleben

Ein schöner Wegweiser

Die Herberge von Elise in Piphanes

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Treppensteigen

Der Tag beginnt einem richtig guten Frühstück - und mit leichtem Nebel. Dieser verzieht sich aber schon bald und die Sonne wärmt die Luft wieder auf mehr als 30°C im Schatten. Dazu kommt ein stetiges Auf und Ab, mehrmals 100m hoch und wieder hinunter, so dass wir uns die Mittagspause wohl verdient haben. Ein schattiger Rastplatz mit Trinkwasser und Toilette ist uns vergönnt. Kurz nach 3 Uhr erreichen wir dann den Bauernhof in Larreule, wo wir ein sehr schönes Zimmer bekommen. Patricia kümmert sich gerade um ihre vielen Tomaten, findet aber kurz Zeit für uns, um uns das Zimmer zu geben, so dass wir duschen können. Danach gönnen wir uns ein richtig gutes, kühles Bier. Die Wäsche waschen wir von Hand und kann auf der Terrasse trocknen. Nach dem leckeren Abendessen - zusammen mit der ganzen Familie und den anderen Pilgern - gehen wir dann schlafen. Dazu müssen wir eine Wendeltreppe innerhalb des Zimmers hinauf zu der Ebene, wo unser Bett steht.

Morgennebel

 

Die alte Kirche von Sensacq

Die Glocken der Kirche von Pimbo

Der Pilgerweg

Die Herberge auf dem Bauernhof Escale von Patricia

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Segnen

Heute gibt es zuerst mal Baguette und Café au lait. Anfangs ist es wieder neblig, bevor die Sonne dann kräftig einheizt. Leider haben wir heute sehr viel Asphalt unter unseren Schuhsohlen, aber es ist ja ein Pilgerweg und kein Komfortweg. Gegenüber der Kapelle von Caubin machen wir eine Pause und essen die ausgezeichnete Tomate, die gestern Abend noch am Strauch hing. In der Kapelle findet um 11 Uhr eine Taufe statt und der nette Pfarrer, der auch ein paar Worte Deutsch spricht, gibt uns Gottes Segen für den weiteren Weg. Kurz darauf sehen wir zum ersten Mal die Pyrenäen im Hintergrund. Die Mittagspause verbringen wir in Arthez-de-Béarn bei einem reizenden englischen Ehepaar, welches ein halbes Jahr in Luxemburg und das andere halbe Jahr in Frankreich wohnt. Unser Ziel ist heute Cambarrat. Das liegt zwar etwas abseits, ist aber traumhaft. Nicolas ist Baske, kocht zusammen mit seiner Frau ausgezeichnet und kann auch wunderschön das Banjo spielen. Wir übernachten leider nicht in einem seiner Schäferwagen, dafür haben wir eine alte ausgebaute Scheune ganz für uns allein.

Die Kirchen sind hier nun in der Regel wieder bestens renoviert und es stehen auch wieder sehr viele Kreuze am Wegesrand. Weiterhin gibt es nun einige Rastplätze der Jakobspilgerfreunde, die an bestimmten Stellen 3-5 Obstbäume (immer seltene Sorten) anpflanzen und eine Tischgarnitur aufstellen.

Die Kirche von Uzan im Morgennebel

 

Eines der vielen Kreuze am Wegesrand

Die Kapelle von Caubin

Die Höhe dieser Tomate ist rund 10cm

Den Weg kann man gar nicht verfehlen

Das Dach "unserer" Scheune in Cambarrat

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Messen

Auf die Entfernungen kann man sich erst dann verlassen, wenn man sie selbst richtig gemessen hat: laut Buch sind es heute 18,5 km, Nicolas sagt uns, es seien 21 km, ein anderer Pilger erzählt uns etwas von 23 km und das GPS misst 25,3 km. Egal wie viele Kilometer es sind: es geht auch permanent hinauf und hinunter. Außerdem müssen wir eine ganze Weile warten - genauer gesagt weiterwandern - bis wir endlich einen Platz für das Mittagessen finden. Aufgrund des Wetters finden sich auch immer wieder mal ein paar Pilger am Wegesrand, die sich von den Mühen des Weges erholen. In Navarrenx bekommen wir in der Herberge von Fabian und Maria ein schönes Zimmer. Diese beiden haben sich innerhalb weniger Wochen entschieden eine Pilgerherberge auzumachen, ein altes Häuschen gekauft und mit den Renovierungsarbeiten angefangen. Nebenbei sind sie exzellente Köche und haben uns eine herzhafte Nudelsuppe, einen hausgeräucherten Lachs auf frischem Tomatensalat, ein wunderbares Fischmenü und ein ebenfalls hausgemachtes Erdbeer- und Zitroneneis serviert.

Wir beide in der Mittagspause

 

Eine Pilgerin erholt sich von den Mühen des Weges

Der Jakobs in der Kirche von Navarrenx

In dieser Taverne ist selbst die Toilette im Stil des "Camino"

Unser Herbergsvater Fabian bei der Küchenarbeit

Die Herberge "le cri de la girafe"

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Trödeln

Zum Frühstück gibt es nicht nur 8 verschiedene hausgemachte Marmeladen sondern auch noch eine Tasse mit der Aufschrift "Jürgen". Und danach gibt es ganz viele wunderbare Waldwege und nur wenig Asphalt. War der Tag anfangs eher wolkig (aber dennoch warm), so kommt zunehmend die Sonne durch und bei strahlendem Wetter erreichen wir Bohoteguia kurz nach Mittag. Wir nähern uns ganz langsam der spanischen Grenze und deshalb nutzen den Nachmittag, um uns erste Gedanken über den Weg in dem nächsten Land zu machen. Außerdem waschen wir noch die verschwitzten Klamotten und genießen die Ruhe auf dem Bauernhof. Das Abendessen ist wiederum erstklassig, aber der Wein fällt dann doch deutlich ab, man darf es wohl sagen, dass es der schlechteste Wein in diesem Jahr ist (und auch bleiben wird). Als Alternative probieren wir dann noch das baskische Bier und kommen zu der Erkenntnis, dass die Basken ganz viel können, nur kein Bier brauen.

Wir verlassen Navarrenx über die alte Brücke über den Gave d'Oloron

 

Die Wege sind wie immer sehr gut gekennzeichnet

Schöne Landschaft, schönes Wetter

Wanderschuhe und Wanderstöcke

Stilleben im Schlafsaal

Die Herberge "ferme de Bohoteguia" von Simone

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Telefonieren

Wie jeden Tag stehen die ersten Pilger schon kurz nach 5 Uhr auf, um dann mit Stirnlampe den Weg durch die Dunkelheit zu suchen. Wir haben die gleiche Zeit wie in Deutschland, sind aber sehr viel weiter westlich, d.h. es wird eher später hell. Hier und in diesen Tagen braucht man nicht vor 7:15 Uhr loszulaufen, was wir dann aber auch tun, denn es soll wieder sehr heiß werden. Die Wege sind aber bis auf wenige Ausnahmen prima und es weht ein leichter Wind, so dass man es ganz gut aushalten kann, solange man genügend Wasser trinkt. Wir laufen heute bis Mendinova, wo wir in der Gite Paradis übernachten können. Der weitere Ablauf ist dann schon fast Gewohnheit: duschen, Tagebuch schreiben, den nächsten Tag planen, manchmal auch den übernächsten, die nächste Übernachtung reservieren (heute zum ersten Mal auch auf spanisch), dann die Seele baumeln lassen - auch das gehört zum Pilgerleben. Man hat Zeit zum Denken, zum Nachdenken, wir denken auch an Angela und ihre Familie. Ein wunderbarer Sonnenuntergang beschließt den Tag und gibt Hoffnung für die Zukunft.

Der Blick auf die Pyrenäen

Das Örtchen Larceveau wenige Kilometer vor unserem heutigen Ziel

 

Es gibt auch weniger gute Wege - dafür freuen wir uns über den Schatten

Nicht einfach ein Kreuz, sondern ein ganz besonderes

Auch die Wichtelmänner pilgern

Marie-Claire bietet ein angenehmes Ambiente in ihrer Herberge

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Schwitzen

Heute soll es sehr heiß werden - und der Wetterbericht hat absolut recht. Die ersten 2,5 Stunden sind aber noch recht angenehm. So um die Mittagszeit kommen wir in Saint-Jean-Pied-De-Port an. Es ist wieder einmal ein richtiger Kulturschock. Zum einen gibt es sehr viele Touristen, die engen Straßen sind voll mit Menschen aller Nationen und an jeder Ecke, nein alle wenige Meter wird man von Pseudo-Pilgertum umgeben. Wir laufen deshalb ganz schnell durch. Als wir den Ort verlassen, kommt uns eine Reisegruppe mit 20 Asiaten mit Rucksack und Jakobsmuschel entgegen. Ob die auch zu Fuß nach Santiago de Compostela pilgern wollen? Wir jedenfalls wollen dorthin und haben uns gegen die "route Napoleon" entschieden und nehmen stattdessen den etwas bequemeren Weg nach Valcarlos, was aber auch ein paar Nachteile hat: 387 PKWs und 44 große LKWs passieren uns auf der angeblich kaum befahrenen Straße. Dafür entschädigt uns ein wunderbarer Platz zum Mittagessen an einem Bach bei einer alten Mühle. Um 3 Uhr erreichen wir unser Ziel. Das Haus ist sehr gemütlich und bei 38°C im Schatten heißt es als erstes "vamos a la doucha" - gehen wir duschen. Warmes Wasser brauchen wir da ganz bestimmt nicht. Danach ist nur noch faullenzen angesagt. Die Wäsche trocknet bei dem starken Südwind binnen einer Viertelstunde, nur die Socken müssen 5 Minuten länger in der Sonne hängen.

Das Schlösschen wird noch bewohnt

 

Eine schöne Kirche in Saint-Jean-Le-Vieux

Am Stadttor von Saint-Jean-Pied-Du-Port

Das Städtchen ist der Startpunkt der allermeisten Pilger

Ursula auf der berühmten Brücke, über die alle Pilger gehen müssen

Die Herberge von Rosa heißt Casa Etxezuria und liegt schon in Navarra in Spanien

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Hinaufgehen

Frühstück gibt es bei Rosa leider nicht, aber es gibt eine Bar, in der wir gestern schon sehr gut zu Abend gegessen haben. Leider macht diese erst um 8 Uhr auf. Da wir aber heute über die Pyrenäen müssen, haben wir uns für ein kleines eigenes Frühstück entschieden und brechen entgegen unserer Gewohnheiten diesmal auch schon bei Dunkelheit kurz vor 7 Uhr auf. Eine Stirnlampe haben wir zwar nicht, für Notfälle aber eine gute Taschenlampe. Interessanterweise wird in Valcarlos um 7 Uhr morgens die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet, so dass wir durch ein gespenstisch dunkles Dorf laufen. Anfangs verläuft der Weg wieder entlang der Straße und ist nicht zu verfehlen. Als der Abzweig kommt, ist es aber schon Dämmerung und wir sehen ausreichend gut. Es ist angenehm warm, aber die Luft ist feucht. Irgendwann fängt es zu nieseln an und den restlichen Tag pilgern wir dann doch zum ersten Mal mit unserem Regencape. Wir laufen mehr oder weniger durch die Wolken und auch die Pilger, die die alternative Route gewählt haben, haben ganz sicher auch keine schöne Aussicht. Um halb Zehn sind wir in Roncesvalles und machen erst einmal eine große Pause bei einem Milchkaffee in einer gemütlichen Bar. Die große Anstrengung, 800 Höhenmeter aufwärts seit Saint-Jean-Pied-Du-Port, ist geschafft. Bis Espinal, unserem Etappenziel, ist es nun recht gemütlich. Die meisten Pilger machen die erste Etappe nach Roncesvalles über die "route Napoleon" und verbringen die erste Nacht hier im Kloster. Nun laufen wir also mit den großen Massen - mal sehen, was uns so bevorsteht...

Die Kapelle am Ibaneta-Pass, unserem höchsten Punkt in den Pyrenäen

 

Ursula am berühmten Pilgerkreuz bei Roncesvalles

Die Pilgerautobahn - um diese Tageszeit wenig Verkehr

Espinal hat eine der ganz wenigen modernen Kirchen

Auch der Altar der Kirche ist sehr schön, wenn auch untypisch für diese Gegend

Die Alberque Irugoienea von Angel: schöne Zimmer, schlechtes Essen

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Rechnen

Das Frühstück entspricht dem Abendessen: lieblos! Aber wir pilgern ein Stündchen und finden eine ganz tolle Bar, die uns den Morgen mit einem Kaffee versüßt. Der Tag ist anfangs eher grau in grau, aber zu Mittag in Zubiri kommt dann doch die Sonne zum Vorschein. Nach der Mittagspause geht es für uns weiter und gegen 14:30 Uhr erreichen wir Larasoaña. Die Herberge ist eigentlich sehr schön, modern und gepflegt, erfordert aber von den Pilgern doch ein gewisses Arrangement: Für je 10 Personen gibt es 2 durchaus sehr schöne Badezimmer mit Dusche und Toilette. Unsere 10-er-Gruppe hat das prima hinbekommen. Das Essen und der Rotwein ist sehr lecker und wir genießen den Aufenthalt hier.

Irgendwie ist aber seit Roncesvalles alles etwas anders. Uns fehlt der Flair des Pilgerns. September ist natürlich auch Hauptsaison für den Camino Frances, alle Herbergen sind voll. Irgendwann mag man schon gar keine Muscheln mehr sehen, weil sie allgegenwärtig sind - im fernen Deutschland hat man sich noch über jede der dort seltenen Muscheln, die auf den Jakobsweg hindeuten, gefreut. Hier ist es inzwischen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: 200.000 Pilger, die mindestens 25 Tage (eher mehr) hier wandern, die jeweils so ca. 80€ (es geht auch sparsamer und teurer) am Tag ausgeben, das macht am Ende locker so mal eine halbe Milliarde Umsatz. Und so fühlen wir uns auch: mehr als Geschäftspartner denn als Pilger. Aber es gibt immer wieder schöne Momente der Besinnung, so dass wir uns dennoch wohl fühlen.

Interessantes am Rande: Vieles hier erinnert an Bayern, schöne Häuser mit bunten Klappläden, Kühe mit Glocken um den Hals, Berge, Wiesen, schöne Dörfer.

Der Pilgerweg ist teilweise kilometerlang betoniert, der Stein-Schein trügt

Autopilgern, gesehen in der gemütlichen Bar Denaona in Biskarreta-Gerendáin

 

Pilger soweit das Auge reicht

Die alte Brücke in Zubiri

Gelbe Pfeile weisen den Weg

Die Herberge San Nicolas von Jose und Christine

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Besichtigen

Der Durchschnittspilger von heute braucht eine Stirnlampe und ein Smartphone mit sehr großem Display. Um 5:30 muss man bei völliger Dunkelheit loslaufen und die erste Frage bei der Herberge muss lauten: GIbt es Wifi? Bei der zweiten Frage geht es um genügend Steckdosen, um die elektonischen Begleiter zu ernähren und erst dann stellt sich die Frage, ob denn auch noch ein Bett frei ist. Nun gut, sind wir halt Sonderlinge ohne Stirnlampe und pilgern eben erst um 8 Uhr los, wenn die Sonne aufgeht. Heute ist Samstag und unser Ziel lautet Cizur Menor, kurz hinter Pamplona. Wir durchqueren die Stadt raschen Schrittes und lassen uns um 13 Uhr von Maribel in ihrer Herberge aufnehmen. Nach dem Duschen nehmen wir den Bus zurück in die Stadt, um selbige in aller Ruhe ohne schweren Rucksack anzuschauen.

Es ist eine wirklich sehenswerte historische Altstadt, zufälligerweise ist heute auch noch ein Mittelaltermarkt. In den engen Gassen geht es lebhaft her und wir werden auch Zeugen von 2 Hochzeiten. Trotz der Hitze tragen die Frauen fast sämtlich lange Kleider und sehr schöne Hüte. Das Ganze beobachten wir von einer netten Bar, wo wir im Freien sitzen können und den Trubel bei einem Glas Roséwein für 1,30€ genießen.

Die Landschaft hat jetzt einen anderen Charakter

Die Brücke St. Magdalena in Pamplona, eine der ältesten und wichtigsten Brücken

 

Der Zugang in das Zentrum von Pamplona

Alte Gassen mit schönen bunten Häusern

Die Pilger spielen schon seit langer Zeit eine wichtige Rolle

Die Pilgerherbergen bekommen sogar eine gute Beschilderung

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Fotografieren

Schlafen - Essen - Laufen. Trotz des großen Zimmers mit 12 Betten haben wir ganz gut geschlafen und zum Frühstück essen wir den leckeren Kuchen, den wir gestern auf dem Mittelaltermarkt gekauft haben. Der Kaffee dazu kommt aus dem Automaten. Maribel offeriert leider kein Frühstück, dafür ist sie aber Spezialistin in Sachen Fußpflege und so mancher Pilger freut sich über ihre kostenlose Hilfe und Pflege für seine geschundenen Füße.

Laufen heißt dann erst einmal bergauf zu den berühmten Pilgerfiguren aus Blech am Sierra Del Perdon . Der steile Abstieg ist dann recht anspruchsvoll, aber dennoch leichter als erwartet. Weniger leicht ist die Hitze zu ertragen und so sind wir froh, dass wir schon um die Mittagszeit in Puente la Reina ankommen und sofort unser schönes Zimmer mit Ausblick auf Kirche und Swimmingpool bekommen. Wir nutzen die Dusche und die schattige Terrasse und machen erst einmal eine ausgiebige Siesta.

Abends gehen wir dann mit anderen Pilgern gemeinsam essen. Der Camino ist heute weniger ein Pilgerweg, er ist Unesco Weltkulturerbe und vor allen Dingen ein Weg der Nationen, wo Menschen aus allen Ländern der Welt friedlich und politik-los miteinander gehen, essen, reden, trinken, manchmal beten, Freud und Leid teilen, sich helfen und sich verstehen. Wir haben Menschen aus England, Irland, Kanada, Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich, Neuseeland, Australien, Korea, usw. getroffen: Wir Pilger sind die Welt!

Morgenrot

Sierra Del Perdon

 

Typisch in den alten Kirchen: tonnenweise Gold

Die Brücke der Königin über den Rio Arga

Hungrige Pilger freuen sich auf das Abendessen

Die Alberque Puente von Susana

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Schreiben

Das Frühstück müssen wir selbst zubereiten, aber es ist für alles gesorgt: Kaffeemaschine, Milch, Joghurt, Orangensaft, Brot, Butter, Marmelade, Honig - und gemeinsam ist auch das Geschirr recht schnell wieder gespült. Die Wettervorhersage lautet "heiß, 35°C", also laufen wir los, sobald es hell wird. Der Weg ist aber recht einfach und wir finden auch einen schönen Platz für das Mittagessen. Irgendwann braucht es vermutlich auch keine gelben Pfeile mehr, die den Weg beschreiben, denn die Hundertschaften von Pilgern, die einfach nur doof sind und ihren Müll am Wegesrand ablagern, sorgen für eine Wegbeschreibung durch Plastikmüll. Naja, wir kommen trotzdem in Estella an und die Kapuzinermönche nehmen uns für eine Nacht auf. Estella hat einige schöne Kirchen und auch die Innenstadt lohnt einen kurzen Besuch - uns war es einfach zu heiß. WIr gehen von der Herberge nur noch in die Stadt, um Postkarten, Briefmarken (im Tabakladen) und etwas Obst zu kaufen. Danach gönnen wir uns ein Bier und den Schatten auf der Terrasse der Herberge. Kleine Anekdote am Rande: die Herberge ist sehr schön und hat Zimmer für je 2 Pilger mit eigenem Bad und WC, es gibt aber Luxuspilger, die hier die Klimaanlage vermissen.

Pilger auf dem Weg nach Cirauqui

Pilgerfreude 1 - Wasser für die Füße

 

Pilgerfreude 2 - Wasser gegen den Durst

Der Kreuzgang der Kirche San Pedro de la Rúa in Estella

Rio Ega

Die Herberge der Kapuzinermönche

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Biertrinken

Gerade als wir loslaufen wollen, fängt es zu regnen an. Aber es regnet nur schwach, nach 1 Stunde nieselt es noch ein wenig und nach 2 Stunden ist es nur noch bewölkt. Der ausgetrocknete Boden nimmt den Regen auch restlos auf. Der Weg selbst ist heute einfach super. Meist sehr weich und angenehm zu gehen, durch eine tolle Landschaft mit Feldern und etwas Wald.

Wir wandern entlang der Weinfelder, durch Olivenhaine, entlang von Getreidefeldern und erfreuen uns an den vielen Brombeeren entlang des Wegs. Dass es viele Menschen gibt, die den Camino als Müllabladeweg sehen, haben wir hier schon erwähnt, heute fällt uns deutlich auf, dass diese Typen oft auch nicht am Weg gehen, sondern einfach Abkürzungen quer durch die Felder nehmen. Warum muss man auf 1.000 Kilometer unbedingt wenige hundert Meter abkürzen und die Felder zertrampeln? Wenn es nur einzelne Personen wären, würde es gar nicht auffallen, aber wir beide sind zumindest heute die einzigen, die den regulären Weg gehen. Aber bleiben wir gelassen und ignorieren diese Dinge doch einfach. Es gibt schöne Dinge heute: den Weinbrunnen, die beiden Musiker irgendwo in der Weite des Wegs, das Weizenbier, ...

Wein und Wasser für die Pilger

Musiker, denen man gerne ein paar Münzen gibt

 

Los Arcos ist ein schönes Dörfchen

Sankt Jakobus in der Kirche von Los Arcos

Richtig gutes Weizenbier

Die Herberge La Fuente Casa de Austria, hier arbeiten immer ein paar österreichische Hospitalieros

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Zuschauen

Zum Frühstück frisch gebackenes Brot nach Art der Österreicher - mhm! Dazu richtig gute Marmelade und Kaffee - Pilger was begehrst du mehr an weltlichen Genüssen!!?! Derart gestärkt verliert der eher kurze Weg heute jeden Schrecken, es geht halt permanent ein wenig auf und ab. In Torres del Rio werden die Pilger abkassiert, zumindest versucht man es. Hier steht die achteckige Kirche des Heiligen Grabs (Iglesia del Santo Sepulcro) aus dem 12. Jahrhundert, die innen einfach nur leer ist. Hier soll der Pilger 1 Euro bezahlen, um sich den leeren Kirchenraum ansehen zu dürfen.

Wir gehen deshalb einfach daran vorbei, obschon es eine geweihte Stätte ist und ein kleines Gebet schön gewesen wäre. Gegen Mittag sind wir dann in Viana, wo der letzte Tag von fast 2-wöchigen Feierlichkeiten ist. Alle, alt und jung, Frauen und Männer, groß und klein sind in den rot-weißen Farben der Region gekleidet. Eine fröhliche Menschenmenge ist in der Innenstadt, man plaudert, ißt und trinkt gemeinsam in den Straßen. Um 13 Uhr wird dann ein Bereich gesperrt und gesichert, dort dürfen dann 30 Minuten lang 4 Jungstiere die Straße entlang laufen - die Einwohner sind begeistert, wir finden es eher weniger interessant, um nicht zu sagen langweilig.

Der Camino Frances am Morgen kurz hinter Los Arcos

Das Dorf Torres del Rio

 

Die Details am Wegesrand des Pilgerwegs

Der Jungstierlauf durch das Städtchen Viana

Die rot-weiße Tracht der Bevölkerung

Das Bett in der Herberge Izar von Sonia

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Genießen

Unser heutiges Ziel heißt Navarette und der Weg ist einfach. Dass er 2 Kilometer parallel zur Autobahn verläuft, muss man als Pilger halt hinnehmen. Auf dem Weg liegt wiederum eine größere Stadt (Logroño), die wir nur dazu nutzen, eine kleine Bar für das 2. Frühstück aufzusuchen. Am frühen Nachmittag sind wir dann in Navarette und finden die Herberge von Esperanza am Ortsende auf Anhieb. Die Alberque a la Sombra del Laurel ist vermutlich ein Beispiel für die nächste Generation von Pilgerherbergen: Zimmer für 1-4 Personen, schön gestaltet, mit viel Komfort, allerdings auch teurer. Im 4-Bett-Zimmer kostet die Nacht hier 15€, in großen Schlafsälen sind andernorts nur höchstens 10€ zu bezahlen. Nach dem Wäschewaschen nutzen wir die Zeit für eine kleine Dorfbesichtigung. Abends finden wir ein wunderbares Lokal und genießen die Vielfalt der Tapas und die exzellenten Weine.

Dem Heiligen Jakobus wurde sogar eine Rose gewidmet, die sicherlich nicht nur hier in Logroño wächst

Aber auch Disteln können von wahrer Schönheit sein

 

In Spanien steht meist Maria im Vordergrund

Der Garten in der Herberge - ein guter Platz für eine Siesta

Bei freundlicher Bedienung ist Essen und Trinken gleich doppelt schön

Eine schöne Herberge mit hohem Komfort

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Warten

Während wir gemütlich frühstücken, können wir die Pilger mit Stirnlampe schon vorbeiziehen sehen. Der Regen trommelt sanft gegen das Fenster und wir hoffen, dass es bis zu unserem Start heute zumindest nachlassen wird. Petrus hat auch ein Einsehen, uns den Start leicht zu machen, lässt es aber später wieder etwas regnen, schließlich braucht die Natur ja auch dringend das Wasser. In Nájera fragen wir einen alten Mann nach einer Bäckerei und er begleitet uns dorthin. Das Mittagessen nehmen wir später in einer kleinen Bar ein, weil es einfach zu sehr regnet. Außerdem ist es mittlerweile sehr windig. Nichtsdestotrotz ist es noch immer recht warm, 20°C zeigt das Thermometer der Apotheke. Unsere Herberge liegt heute 2 Kilometer abseits, weil entlang des Weges alle Hebergen ausgebucht sind. Wir bekommen ein wirklich sehr schönes Zimmer, nur die Dusche ist 60x60cm² groß und die Tür gerade mal 42cm breit. Zum Abendessen trinken wir eine ganze Flasche feinsten Rotwein Jahrgang 2012.

Ein schöner Morgen

 

Wifi - heutzutage wohl das Wichtigste für viele Pilger

Kurz vor Nájera steht diese Schutzhütte für Pilger

Eine deutliche Wegmarkierung

Unser Heiliger Jakobus in der kleinen Dorfkirche von Alesanco

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Abkassieren

Heute soll es gemütlich sein: gemütlich aufstehen, gemütlich frühstücken, gemütlich wandern. Es ist kühl, bewölkt, aber trocken. Die ersten Kilomter laufen wir entsprechend der Erklärung unserer netten Herbergsmutter bis wir wieder auf den eigentlichen Jakobsweg treffen. So haben wir auch noch 2 Kilometer gespart. Unterwegs treffen wir wieder alte Bekannte, irgendwie haben die meisten Pilger doch ähnliche Geschwindigekiten, so dass ein Wiedersehen immer wieder vorkommen kann. So kann man zwischendurch ein wenig plaudern und ein paar neue Erfahrungen austauschen. In Cirueña kommen wir an einem Golfplatz vorbei, an dem sich ein Wohngebiet anschließt, welches für den Investor sicherlich eine glatte Fehlinvestition war. Ein Drittel ist unfertig und vom Rest kann man aktuell die Hälfte kaufen.

Ein paar Kilometer später sind wir dann in Santo Domingo, wo man mit allen Mitteln versucht Touristen und Pilger abzuzocken. Das Beten in der Kirche soll für 2 Personen 10€ kosten und in der Kathedrale werden kaum noch Gottesdienste abgehalten, weil man ja dann die Gläubigen umsonst hereinlassen müsste. Deshalb findet die Heilige Messe immer in der Nachbarkirche statt. Wir glauben, dass der liebe Gott unser Gebet auch hört, wenn wir vor der Kirche stehen und gehen dann gleich weiter. Den Hühnerstall in der Kathedrale, der auf das sog. Hühnerwunder hinweisen soll, haben wir also nicht gesehen.

Die Herberge in Grañon ist dafür umso schöner und gemütlicher. Ein junges Ehepaar betreibt engagiert die Albergue Ave de Paso, alles neu renoviert, feinstes Essen, sehr empfehlenswert. Am Nachmittag trinken wir ein Glas Wein in einer Bar. Dort läuft das Fernsehgerät und bringt Ausschnitte von Stierkämpfen. Ganz klar: das ist perfide Tierquälerei und absolut abzulehnen. So darf man mit Gottes Geschöpfen auf keinen Fall umgehen!

Der Camino Frances im September

 

Hier wird Hopfen angebaut

Santo Domngo, eine Stadt die man nicht besucht haben muss

 

Der Hinweis auf das Hühnerwunder an der Kathedrale

Ein schönes Glasfenster in der Dorfkirche von Grañon

Die internationale Pilgerschar beim gemeinsamen Abendessen

Die Herberge Ave de Paso bei unserer Ankunft

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Wiedersehen

Beim Frühstück bezeichnet man uns als unerfahrene Pilger. Die, die uns so nannten, waren aber recht arrogante Schnösel (Mutter und Sohn), die morgens um halb sechs die anderen beim Schlafen stören, um beim Wandern in der Dunkelheit nicht die Schönheit von Gottes Schöpfung sehen zu müssen. Leider führt der Weg heute immer entlang der Hauptstraße, naja ein wenig Buße tut den Pilgern ja gut. Zwei Dörfer weiter überholen wir dann die erfahrenen Pilger...

Wir übernachten bei Jessica in Tosantos, deren Herberge ist gleichzeitig auch Mittelpunkt des ganz kleinen Örtchens, wo man sich gerne zu einem Plausch und einem kleinen Snack trifft. Klar, dass dabei auch gemeinsam ein Gläschen Wein getrunken wird. Alles in allem eine sehr schöne Stimmung. Weil die Sonne nicht genügend scheint, darf unsere Wäsche in den Trockner. Währendessen besuchen wir die Eremitenkapelle, die nur wenige 100 Meter entfernt in den Felsen gehauen wurde und auch heute noch für Taufen und Hochzeiten gerne genutzt wird. Hier gab es in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts sogar noch Schulunterricht in Felsenräumen nebenan.

Die Landschaft ändert sich in diesen Tagen kaum

Die Wegbeschilderung in Belorado

 

Die Kirche in Belorado

Das Ortsschild am Wegesrand

Die Eremitenkapelle

Die Herberge Los Arancones

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Erfreuen

Heute ist ein sehr schöner Morgen, aber frisch, angeblich 5°C. Da wir in unserer Herberge kein Frühstück bekommen können, gehen wir mit leerem Magen die ersten 2 Kilometer, dafür ist es dann umso gemütlicher. Der Weg ist heute genau richtig zum Meditieren, er zieht sich kilometerlang mehr oder weniger geradeaus durch die Landschaft, ohne Häuser, ohne Abzweig, nur eine Kette von Pilgern.

In San Juan de Ortega machen wir unsere Mittagspause und gehen nach einer kurzen Siesta dann die letzten 4 Kilometer nach Agés, wo uns die Herberge San Rafael empfohlen wurde. Wir können diese aber leider nicht weiter empfehlen. Auch hier treffen sich wieder alte Bekannte unter den Pilgern. Wir besuchen die Kirche und einen alten Mann, der uns von dem Dorf anhand seiner Modelle erzählt. 1950 lebten hier noch 95 Familien (mehr als 600 Einwohner) heute sind gerade noch 38 Einwohner gemeldet. Wir geben ihm eine großzügige Spende, denn er lebt vermutlich davon. Seine Modelle sind durchaus meisterlich und aus einfachen Materialien (teilweise Abfallholz und ehemalige Konservendosen) gebaut. Was immer er beweglich machen kann, um die Funktion von z.B. alten landwirtschaftlichen Geräten zu zeigen, ist auch beweglich. Er ist ganz lieb und gibt sich größte Mühe, damit wir ihn auch verstehen. Gut dass wir etwas spanisch können. Schade, dass wir nicht besser spanisch können, wir hätten uns noch stundenlang mit ihm unterhalten können.

Auf dem Weg zum Frühstück begleitet uns der Mond

Das gemütliche Frühstück in der (neuen) Herberge links am Ortseingang von Vilambistia

 

Ein Teil von 12,6 Kilometer Pilgerweg nach Villafranca Montes de Oca

Die Kirche von Agès

Das Modell der Kirche von Agès

Die weniger empfehlenswerte Herberge von Carlos

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Weintrinken

Der moderne Pilger trägt keinen Rucksack. Er lässt transportieren und damit er ganz sicher nicht in die Verlegenheit kommt, doch mal etwas tragen zu müssen, sollte es auch kein Rucksack sein. Das Taxi nimmt dann sein Gepäck mit und er kann sich ganz auf sein Wifi-Dingsbums konzentrieren. Irgendwann kommt noch die App, wo man nur noch auf das kleine Display schaut (oder man trägt gleich so eine Brille für "virtual reality") und damit das alles funktioniert, müssen natürlich noch viele Wifi-Masten aufgestellt werden (die dienen zusammen mit dem Müll für die ewig gestrigen Pilger dann gleichzeitig als Wegweiser, die veralteten gelben Pfeile können endlich entfallen). Wir aber bleiben Pilger in alter Tradition!

Heute steht nur ein kurzer Spaziergang nach Orbanejo-Riopico an. Auf halbem Weg hat ein junges Paar eine tolle Bar, in der vermutlich fast alle Pilger eine kurze Pause machen. Es gibt frische(!) Fruchtsäfte, gute tortillas con queso o jamón. Sechs Kilometer weiter sind wir schon am Ziel und bekommen ein schönes Zimmer im Dachgeschoss. In der Bar nebenan essen wir zu Mittag und freuen uns, dass der Wirt ein netter Mensch ist. Wir essen sehr gut und auch preiswert (für zusammen 10€ sind wir beide richtig satt). Wir kaufen bei ihm auch noch einen ledernen Weinbeutel, den wir gleich füllen lassen. Das Abendessen gibt es dann auf dem Zimmer, wo wir im gefliesten Bereich dann auch aus dem Beutel trinken. Warum sollen Pilger keinen Spaß haben...

Morgenstimmung in Agés

Modernes Pilgergepäck

 

Nicht immer ist das Wetter schön - oder: auch dieses Wetter hat etwas!

Manche Kirchen verfallen

Pilgerfreud und Pilgerleid

Das Casa Fortaleza in Orbanejo-Riopico kurz vor Burgos

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Ankommen

Wir gehen wieder zu José in die Bar zum Frühstück. Danach geht es durch Burgos hindurch zur Herberge La Fábrica von Christine. Der Weg durch die große Stadt ist einfach und angenehm: entlang des Rio Arlanzón, durch einen schönen Park (in dem wir auch unsere Mittagszeit verbringen) und wieder entlang des Flusses. Nur kurz vor dem Ziel müssen wir dann durch einen Baustellenbereich für eine neue Hauptstraße. Die Herberge ist eigentlich fast schon ein Hotel der Sterneklasse. Ein großes Zimmer mit allem Komfort (allein die Dusche!!!), alles sehr familiär und sehr freundlich. Hier verbringen wir nun den letzten Abend und die letzte Nacht bevor es morgen wieder zurück nach Hause geht.

Der Pilgerweg durch Burgos

 

Die berühmte Kathedrale

Eine kleine Kirche am Ende der Stadt

Wie viele Pilger wohl dieses kleine Schild übersehen haben

 

Das letzte Bier

La Fabrica, eine ehemalige Fabrik, heute eine "Sterne-Herberge"

François haben wir am 2. Tag getroffen und als wir am nächsten Tag von Tardajos zurück nach Burgos gehen, treffen wir ihn zufällig wieder. Wir plaudern ein wenig über die letzten knapp 4 Wochen, dann geht er weiter nach Westen in Richtung Santiago de Compostela und wir zum Busbahnhof.

24 Stunden Busfahrt ohne Umsteigen von Burgos nach Karlsruhe und dann weiter mit dem Zug nach Hause. So endet die fünfte und vorletzte Etappe unseres Pilgerwegs von herzogenaurach nach Santiago de Compostela.

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